Provisionsberatung

Hilfe! Provisionsberatung!

Das Wichtigste in Kürze

Diese Fragen beantworten wir dir in diesem Artikel.

Was ist Provisionsberatung?

Die vermeintlich kostenlose Beratung.

Was ist Honorarberatung?

Die einzig wirklich unabhängige Beratung.

Welche versteckten Kosten gibt es bei der Provisionsberatung?

Das zeigen wir dir am Beispiel Privatrentenvertrag.

Bei wem bezahlen wir mehr?

Bei der Honorarberatung oder bei der Provisionsberatung?

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Die vermeintlich kostenlose Beratung

Was steckt eigentlich genau hinter Provisionsberatung und warum raten wir dir ausdrücklich zu einer Honorarberatung?
Es ist so: bei deiner vermeintlich kostenlosen Beratung schließt du im Anschluss eine Krankenversicherung, vielleicht noch eine private Zusatzversicherung und wenn es richtig gut läuft für deinen Berater, auch noch eine Direktversicherung zur Altersvorsorge ab. Du gehst aus der Beratungsstelle mit einem guten Gefühl, denn du hast ja jetzt gut vorgesorgt – das Ganze war auch noch umsonst. Wunderbar! Leider nein….

Das Verkaufsgespräch

Tatsache ist, du saßt gerade in einem klaren Verkaufsgespräch – und das ohne dein bewusstes Wahrnehmen. Die Berater:innen sind allesamt gut geschult im Verkauf und so wird dir auch sehr plausibel dargelegt, warum du genau mit diesem einen Produkt für dein Alter sinnvoll vorsorgen kannst. Es fallen Schlagworte wie „steuerbegünstigt“ und „Steuerersparnisse“, oder auch „staatliche Förderung“ und „Reduzierung der Steuervorauszahlung“. Dann wird dir noch anhand von Charts und Tabellen gezeigt wie sich das Rentenniveau verändern wird und dir verdeutlicht wie wichtig die private Altersvorsorge doch ist. Im letzten Punkt geben wir ihnen absolut Recht. Viel mehr aber auch nicht.
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Durch den Abschluss der Verträge verdienen die Provisionsberater:innen eine teils horrende Gebühr. Wie hoch sie ist, findest du mit etwas Glück im Kleingedruckten deines Vertrages. Um die 4% deiner Einzahlungssumme sind bei Altersvorsorgeprodukten völlig normal. Und damit wären wir schon beim größten Problem der Provisionsberatung: die Abhängigkeit. Je nach Höhe der Provisionen, die die Versicherungsgesellschaften versprechen, werden dir manche Produkte empfohlen, andere nicht. Oft arbeiten die Berater:innen nur für eine ganz bestimmte Versicherung. Dann bekommst du auch nur Produkte dieses Anbieters vorgeschlagen. Arbeiten sie mit verschiedenen Versicherungen zusammen, dann werben die Berater:innen oft damit, dass sie dich unabhängig und kostenlos beraten können. Wie unabhängig kann die Beratung aber sein, wenn der/die Vermittler:in nur dann Geld verdient, wenn du auch ein Produkt abschließt? Und wenn die Höhe der Provision dann noch darauf basiert, welches Produkt du kaufst und wie hoch deine monatlichen Beiträge sind, dann besteht an dieser Stelle also eine direkte Abhängigkeit zwischen dem Produkt und dem Verdienst des Beraters oder der Beraterin. Von Unabhängigkeit also keine Spur.
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Die Honorarberatung

ist wirklich unabhängig.
Eine Beratung sollte in erster Linie dafür sorgen, dass du keine oder wenige Finanzprodukte benötigst. Dafür gibt es aber leider keine Provisionen. Die Bezahlung müsste also gegen ein Honorar stattfinden. Ein:e Honorarberater:in wird direkt von dir bezahlt. Meist nach Stundensatz. Im Gegenzug ist die Beratung wirklich unabhängig denn es besteht keinerlei Verkaufsdruck. Es fließen keine Provisionen und die Vergütung ist transparent. Und keine Sorge, du bezahlst dann nicht doppelt. Die großen Versicherer bieten mittlerweile sogenannte Netto-Policen an. Das machen sie, weil der Druck seitens der Verbraucher:innen steigt. Die Kosten der Provision sind in diesen Netto-Policen nicht enthalten und sie sind viel günstiger für dich. Anstelle dessen bezahlst du die Honorarberatung. Der Betrag liegt meist weit unter dem was dich eine Provisionsberatung kostet.
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Die versteckten Kosten der Provisionsberatung

am Beispiel Privatrentenvertrag
Schauen wir uns ein Beispiel an: den Privatrentenvertrag. Schätzungen von Expert:innen gehen davon aus, dass du bei einem stinknormalen provisionsgebundenen Privatrentenvertrag, wenn du ihn durchhältst, um die 10% Kosten hast. (1) Das klingt für dich nicht viel? Dann lass uns ein Beispiel anschauen: nehmen wir an, du bist Mitte 30 und schließt eine Rentenversicherung ab, bei der du monatlich 150€ einbezahlst. Dein Rentenbeginn liegt noch 30 Jahre in der Zukunft. Bis dahin bezahlst du also 54.000€ (150*12*30) an die Versicherung. Gehen wir von 10% tatsächlicher Kosten aus, dann würde dich diese Versicherung ganze 5.400€ kosten. Das muss der Fonds in den dein Geld im Hintergrund investiert wird erst einmal schaffen wieder wett zu machen. Noch dazu soll er zusätzlich die Inflation mit auffangen… In ihrem Buch „Die Vorsorge Lüge“ von Holger Balodis und Dagmar Hühne nennen die beiden Autor:innen drei Verlustbringer bei dieser Art von Versicherungsabschluss (2):

Die Kosten der Versicherungsgesellschaft

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Diese Kosten sind relativ einfach erklärt. Dabei geht es um alle Kosten die so ein:e Berater:in und die ganze Versicherungsgesellschaft eben haben.

Die Stornokosten

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Bei den Stornobedingungen ist es so, dass du als „Käufer:in“ deine Versicherung zwar jederzeit kündigen kannst, der „Rückkaufwert“ aber in den ersten Jahren immer sehr niedrig ist. Nochmal etwas einfacher ausgedrückt: Bei diesen Versicherungen zahlst du monatlich einen Betrag, um ihn zum Beispiel für deine Altersvorsorge anzusparen. Willst du den Vertrag nach, sagen wir einmal 7 Jahren (das ist tatsächlich auch die Anzahl Jahre nach denen diese Verträge durchschnittlich aufgelöst werden) auflösen, dann würdest du doch erwarten, dass du zumindest deine eingezahlten Beiträge zurückerhältst. Je nach Performance des Produktes in das investiert wurde, ja vielleicht sogar mehr. Leider ist dem aber nicht so. In den ersten Jahren werden aus deinen Beiträgen alle Kosten gedeckt. Unter anderem die Provisionskosten die dein:e Berater:in verursacht. Die Verträge müssen also meist um die 12 Jahre laufen, bis du überhaupt einen Wert zusammengespart hast, der deinen eigentlichen Einzahlungen entspricht. Kündigst du schon nach 1-2 Jahren, kann es vorkommen, dass du nicht einen Cent ausgezahlt bekommst.

Die Lebenserwartungs-Kosten

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Der dritte Faktor der dafür sorgt, dass die Versicherung Geld mit dir verdient, ist die Lebenserwartung die sie annimmt. Die Versicherungen versprechen eine lebenslang garantierte zusätzliche Rente. Egal wie alt du wirst. Diese garantierte Rente ist aber natürlich sehr niedrig. Denn wie sonst, soll die Versicherung dir garantieren, dir monatlich bis zu deinem Tod Geld auszubezahlen. In ihren Annahmen gehen die Versicherer also einfach davon aus, dass du steinalt wirst. Würden sich die Versicherer an den bereits angepassten durchschnittlichen Lebenserwartungen der staatlichen Statistiker:innen halten, dann wären die garantierten Renten um einiges höher. Stirbst du früher, machst du Verluste. Die Frage ist also angebracht: „wie alt muss ich denn werden, damit sich mein Vertrag lohnt?“ Die Verbraucherzentrale Hamburg untersuchte erst kürzlich diverse private Rentenversicherungen und kam zu dem ernüchternden Ergebnis, dass sich diese nur noch für Schildkröten lohnen.(3)
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Bei wem bezahlen wir mehr?

Bei der Honorarberatung oder bei der Provisionsberatung?

Willst du eine Versicherung abschließen um für dein Alter vorzusorgen, dann spare dir wenigstens die Kosten der Provision. Leider ist es gar nicht so einfach eine Honorarberatung zu finden. Es gibt ganze 39.084 Finanzanlagenvermittler aber nur 256 Honorar-Finanzanlagenberater.(4) Das entspricht einem Marktanteil von gerade mal 0,65%. Spätestens jetzt müssen wir uns doch die Frage stellen: warum ist das so? Liegt das vielleicht daran, dass der Verdienst der Provisionsberater:innen über dem Verdienst der Honorarberater:innen liegt? Die Konsequenz wäre, dass wir als Verbraucher:innen für eine Provisionsberatung mehr bezahlen als für eine Honorarberatung. Ein entscheidender Punkt. Leider sehen wir die Kosten der Beratung bei einer provisionsgebundenen Beratung erst einmal nicht. Dadurch, dass die Beratung umsonst ist, geben wir uns dem Trugschluss hin, das Produkt sei umsonst oder günstig.

Bei der Honorarberatung sind die Kosten transparent und direkt ersichtlich. Viele schreckt das dann erst einmal ab und sie denken sich: eine Honorarberatung kann ich mir nicht leisten. Aber all denjenigen wollen wir an dieser Stelle mitgeben: kannst du dir die Honorarberatung nicht leisten, dann kannst du dir den Abschluss eines provisionsgebundenen Produktes schon zweimal nicht leisten und solltest daher keinesfalls eine vermeintlich kostenlose Provisionsberatung in Anspruch nehmen!

1 Quelle: „Die Vorsorge Lüge“, von Holger Balodis und Dagmar Hühne (2013)
2Quelle: „Die Vorsorge Lüge“, von Holger Balodis und Dagmar Hühne (2013)
3Quelle: Private Rentenversicherungen lohnen sich nur für Schildkröten | Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh.de)
4Quelle: https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/recht-in-der-wirtschaft/gewerberecht/statistiken-vermittlerverzeichnisse-3344

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